Heldenfrühstück

Mit dem Erzherzog-Karl-Denkmal auf dem Wiener Heldenplatz hat Wien eine nicht nur aus kulturell-künstlerischer sondern auch aus technischer Sicht bemerkenswerte Besonderheit unter den großen Reiterstandbildern: Nach Leonardo da Vincis misslungenem Versuch, ein aufsteigendes Pferd in einem großen Monument nur auf den Hinterbeinen aufzustellen, ist dieses Vorhaben dem Künstler Anton Dominik Fernkorn (geb. 1813) mit dem von ihm gestalteten Erzherzog Karl Monument, das am 22. Mai 1860 enthüllt wurde, gelungen.
Das Denkmal wendet sein Hinterteil in die Richtung des Bundeskanzleramts, des Parlaments und des Rathauses, aus welchem Grund dieser Teil des Kunstwerks von den Wienern gemeinhin als sein edelster bezeichnet wird. Der Sockel des Bauwerks bildet in etwa 70 cm Höhe ein Plateau, das um das gesamte Bauwerk herum führt und von einer umlaufenden Sitzbank zentral abgeschlossen wird. Diese Sitzbank reflektiert das Verständnis Fernkorns des öffentlichen Raumes als eines solchen, der der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, diese einlädt und von dieser erobert werden soll. Die Höhe der Sitzfläche, die Rücksetzung der Fußleisten und die Tiefe der marmornen Bank entsprechen den Normalmaßen des bürgerlichen Stadtmenschen des 19. Jahrhunderts und weisen Fernkorn als einen Meister der ergonomischen Gestaltung aus. Absicht des großen Künstlers war die Inbesitznahme des Denkmals durch die Menschen der Stadt, die so durch die Gleichzeitigkeit der in Stein gehauenen Geschichte und des aktuellen Hier-Seins die Transzendenz der geschichtlichen Abfolge zuwege bringen.

Quelle: Franz G. Rammerstorfer, TU Wien, 2001.